Bizarres Phänomen „Begpacking“ – Wie bettelnde Rucksacktouristen dem Ansehen von Backpackern schaden

Seit ein paar Jahren ist insbesondere in Ländern Südostasiens ein bizarres Phänomen zu beobachten: Rucksacktouristen aus Erste-Welt-Ländern betteln in Entwicklungs- bzw. Schwellenländern um eine finanzielle Unterstützung für ihre Reise. Den Behörden in Thailand und Bali gefällt das gar nicht.

Bali und Thailand gehören seit langem zu den beliebtesten Reisezielen weltweit. Gerade bei Rucksacktouristen sind beide Reiseziele sehr beliebt, nicht nur der bezaubernden Landschaften wegen. Unterkünfte in Hotels und Hostels sind vergleichsweise günstig, und auch die Lebenshaltungskosten sind gering. Ein warme Essen beispielsweise bekommt man, gemessen an hiesigen Verhältnissen, geradezu zum Schnäppchen-Preis. Und dennoch trifft man in Ländern Südostasiens aber zum Teil auch in Mittel- und Südamerika zunehmend auf Rucksacktouristen, die mit selbstgebastelten Schildern die lokale Bevölkerung und andere Touristen um Geld bitten.

„Begpacking“ nennt sich dieses Phänomen. Ein Kunstwort, das sich aus „Backpacking“ und dem englischen Wort „beg“ (Englisch für „betteln“) bildet. Immer öfter sieht man in den Straßen Bangkoks oder auf lokalen Märkten auf Bali sogenannte „Begpacker“, die auf diese Weise auf finanzielle Unterstützung hoffen. Auf ihren Schildern steht dann beispielsweise: „Ich reise ohne Geld um die Welt – bitte unterstütze meinen Trip“.

Die Welt zu bereisen ohne beziehungsweise nur mit sehr wenig Geld hat sich in den letzten Jahren zu einem regelrechten Trend entwickelt. Vor allem junge Menschen scheinen sich für die Idee des geldlosen Reisens zu begeistern.

Den Behörden in den betreffenden Ländern sind „Begpacker“ allerdings ein Dorn im Auge. In Thailand werden Reisende seit mehreren Jahren bei der Einreise gefragt, ob sie über genügend finanzielle Mittel für ihren Trip verfügen. Auf Bali kann es passieren, so jedenfalls berichten es lokale Medien, dass „Begpacker“ in der für sie zuständigen Botschaft vorstellig werden müssen. Da der Tourismus in beiden Regionen/Ländern ein zentraler Wirtschaftsmotor ist, scheut man sich allerdings vor allzu harschen und womöglich abschreckend wirkenden Maßnahmen.

Zur Einordnung: Indonesien gilt nach wie vor als Entwicklungsland. In Indonesien sind nach Angaben der Weltbank etwa 27 Prozent der Einwohner arm oder armutsgefährdet. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt mit 11.900 Dollar pro Jahr deutlich tiefer als jenes westlicher Staaten, woher die „Begpacker“ mehrheitlich herkommen. Der Tourismus ist für das Land eine wichtige Einnahmequelle. Insbesondere das Gastgewerbe profitiert von den Einnahmen, die Touristen ins Land bringen. Allein Bali wird jedes Jahr von ca. vier Millionen Touristen besucht. Beliebt ist Bali insbesondere bei Australiern, US-Amerikanern, Europäern, Japanern und Chinesen. Medienberichten zufolge stammen „Begpacker“ häufig aus Australien, Großbritannien und Russland.

Vor dem Hintergrund der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse ist es nur zu verständlich, dass Teile der Bevölkerung der betreffenden Länder über derlei bettelnde Touristen in ihrem Land die Nase rümpft. Auf der eigens eingerichteten Facebook-Seite Begpacker werden Fotos von bettelnde Touristen hochgeladen, um diese bloßzustellen. Ein solcher Akt der Diffamierung geht allerdings bei weitem zu weit, wie ich meine.

„Backpacker sind keine schnorrenden Touristen“

Dennoch möchte ich als passionierter Globetrotter und Backpacker betonen: wer die Welt bereist, sollte sich das auch finanziell leisten können. Backpacker sind keine schnorrenden Touristen, sondern Weltenbummler und Individualisten, die das unkonventionelle Reisen schätzen und lieben. Backpacker wissen, dass man die Gastfreundschaft der Menschen nicht ausnutzen darf. Ich bin jedenfalls ungemein dankbar, wenn ich auf Reisen Gastfreundschaft erfahre.

Auch für die in Deutschland ansässige gemeinnützige Organisation Friedrich Hospitaliy Foundation (FHF) sind Gastfreundschaft und Gastlichkeit ein hohes Gut. Die FHF hat sich zum Ziel gesetzt, jungen Menschen in Entwicklungsländern eine Perspektive zu geben, in dem es ihnen eine fundierte Ausbildung im Gastgewerbe ermöglicht und so Arbeitsplätze im Tourismussektor fördert. Nähere Infos zur Organisation und aktuellen Projekten gibt es unter friedrich.hospitality.foundation

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