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Chile & Argentinien (3) – Patagonien und Feuerland

Torres del Paine

Chile & Argentinien (3) – Patagonien und Feuerland

Torres del Paine Nationalpark

Torres del PaineTorres del Paine – Diese drei Worte waren schon mindestens ein Jahr vor Beginn der Weltreise in meinem Kopf. Ebenso wie „Yellowstone“ oder „Grand Canyon“ für die USA stehen, ist dieser Park das Aushängeschild für Outdoor & Adventure in Chile. Der Unterschied ist nur: im Torres-Park gibt es kaum „Kurz-aus-dem-Auto-steig-Touris“, dafür aber eine unvergleichlich-spektakuläre Landschaft, die unbedingt erwandert werden will. Südamerika, wie es schöner, zum Teil aber auch rauer nicht sein kann.

6-tägige Wanderung durch Torres del Paine

Torres Del PaineDen Rucksack auf das Nötigste reduziert und mit Verpflegung für mind. 6 Tage ausgestattet ging es von Puerto Natales die letzten 120 km  hinein in den Park. Ich hatte mir Kartenmaterial besorgt und wollte bestimmte Wanderwege gehen, immer vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Insgesamt bin ich in den 6 Tagen ca. 80 km gelaufen und habe eine fantastische Sicht auf die einzigartige Bergwelt und den Grey Gletscher genossen aber genauso kann ich von viel Regen und Schnee in höheren Lagen berichten. Die zum Teil widrigen Wetterbedingen ist es zu verdanken, dass ich die „Cuernos des Paine“ – das markante Wahrzeichen des Parks – nur vom Fuß des Bergmassivs bestaunen konnte. Ein Aufstieg zu Camp Italiano oder gar zum Camp Britanico wäre ein zu großer Kraftakt gewesen. Es ist gut, seine Grenzen zu kennen. Die Wanderung soll ja auch Spaß machen.

In jedem Fall ist im Park warme Kleidung angesagt, zu jeder Jahreszeit! Mit unter habe ich mich doch stark an meine Bundeswehrzeit erinnert gefühlt. Nasse Füße, an denen ich mir Blasen gelaufen hatte und ein ständig knurrender Magen. All das ist in dem Moment vergessen, in dem man freien Blick auf die bis zu 3.200 m hohen, schneebedeckten Gipfel und auf die zahlreichen Gletscher und tiefblauen Seen genießt.

Grey GletscherUnweigerlich kam mir an einer Stelle, früh am Morgen, Beethoven`s Neunte in den Sinn. Einfach majestätisch. Und dieser Wind hier! Keine steife Nordseebrise kann es mit diesem omnipräsenten, sturmartigen Naturspektakel aufnehmen. Ein Wunder, dass mein Zelt überlebt hat. In dem Sturm flatterte es derart laut, dass das Einschlafen schwer fiel. Auf diesen Wind sollte man sich einstellen, wer in dem Park mit dem Zelt unterwegs ist.

Das Wetter ändert sich hier binnen Minuten. Was man von den Alpen her kennt, bekommt hier unten im Süden eine noch einmal bedeutendere Dimension. Eben noch spaziert man gemütlich im Sonnenschein und macht ein paar Fotos und 5 Minuten später wird man von einem gewaltigen Sturmsystem gejagt. Diese Erfahrungen in der Natur, die bizarre Bergkulisse und die schönen Begegnungen unter Gleichgesinnten schreien jedenfalls nach mehr. Irgendwann werde ich einmal hierher zurückkehren (müssen). Ein Ort, der mich gefangen nahm. In den letzten Jahren wurde der Park sukzessive ausgebaut, ich hoffe, dass sein ursprünglicher, wilder Charakter dadurch nicht verloren geht, sodass noch viele Tausend Wanderer die Schönheit der rauen Natur, in der Pumas und Kondore zu hause sind, erleben können.

Punta Arenas

Punta ArenasIn Punta Arenas habe ich schließlich die Magellan Straße erreicht. Hier ist also Fernando de Magallanes im Jahre 1520 vorbei geschippert. Diese Stadt liegt auf dem 53. Breitengrad (südlich) und ist trotz seiner Abgelegenheit überraschend modern und westlich geprägt. Die beiden Städte Punta Arenas und Ushuaia beanspruchen beide für sich, die südlichste Stadt der Welt zu sein, wobei das mit knapp 120.000 Einwohnern doppelt so große Punta Arenas die Haltung vertritt, Ushuaia sei eigentlich keine Stadt/Großstadt. Wie dem auch sei – beide Städte sind sehenswert. Per Schiff machte ich in Punta Arenas einen Ausflug auf die Isla Magdalena. Durchlöchert wie ein Schweizer Käse wird dieses sogenannte „Natur Monument“ von sage und schreibe 50.000 Exemplaren der Magellan-Pinguine bewohnt, die ihre kleinen Höhlen in den Boden graben.

Isla MagdalenaLeider war der Aufenthalt auf der Insel auf nur 1 Stunde begrenzt, was eine eingehende Beobachtung unmöglich machte. So musste ich mich mit ein paar schönen Fotos von einer einzigartigen Tierwelt begnügen. Wenn man die lustig watschelnden kleinen Gesellen so anschaut und die Kulisse auf sich wirken lässt, realisiert man, dass dies keine Fernsehdokumentation über einen fernen Ort ist, sondern sich dies in diesem Moment vor den eigenen Augen abspielt – National Geographics live. Die Insel sollte man sich nicht entgehen lassen.

Ushuaia – Feuerland

Am 21. Dezember bin ich schließlich exakt zur Sommersonnenwende in Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt eingetroffen. Schön, wenn der Zufall Reiseführer spielen darf. Nun war ich also in Feuerland und leider hatte ich nicht mehr als 2 Tage im Gepäck, denn der nächste Flugtermin stand schon fest. Hier rächt sich also meine Trödelei. Na ja, nicht wirklich, jeder Tag war gut angelegt.

UshuaiaUshuaia ist umgeben von Bergen und der wichtigste Hafen für alle Schiffe, die ins ewige Eis aufbrechen. Mit einem Seemann habe ich kurz gesprochen. Als er das Ziel für die 2-wöchige Reise aussprach – ANTARCTICA -, wäre ich nur zu gerne mit an Board gewesen. Ich hatte geholfen, die Leinen zu lösen und dann hörte ich das dröhnende Tuten, das von den umliegenden Bergen zurückgeworfen wurde. In Gedanken bin ich mitgefahren. Ushuaia ist sicherlich gut für einen mehrtägigen Aufenthalt. Die Landschaft sieht jedenfalls sehr einladend aus. Gerne hätte ich die umliegenden Berge erkundet.

Weihnachten verbrachte ich in Buenos Aires. Völlig unangemessen waren hier über 30 Grad und die Stadt brodelte in ihren Autoabgasen vor sich hin. Die Unterschiede zwischen dem südlichen Patagonien und dieser heißen Metropole sind schon enorm. Sorry, wenn ich an dieser Stelle keine Tipps in Sachen Sightseeing geben kann. Bei derlei Außentemperaturen hatte ich mir meist ein schattiges Plätzchen in einem der Parks gesucht.

Es ist, als ob ich ein Land voller Freunde zurückgelassen habe, vor allem was Chile betrifft. Gibt es etwas Schöneres, das man von einer Reise sagen kann? Genau diese Begegnungen mit den Menschen sind in meinen Berichten oftmals zu kurz gekommen, aber ich kann versichern, sie wiegen genau so schwer, wie die ausgiebigen Wanderungen in der ursprünglichen und einzigartigen Landschaft Patagoniens. All die anderen Rucksacktouristen aus den verschiedenen Ländern, die Aufgeschlossenheit der Chilenen, all das wird ein wenig Zeit brauchen, um sich in meinem Kopf zu setzen.

Kurzinfo Chile

(meine Tour)
Reisezeit Ende Oktober – Ende Dezember
Temperaturskala Nachts 20 bis -5 Grad,
Tag 5-28 Grad
Reisedauer 2 Monate, genug für meine Tour
Verlauf Santiago > Richtung Süden entlang der Anden > nach Feuerland, Ushuaia
Empfehlung Torres del Paine, Pucon, Isla Magdalena (Pinguinkolonie)
Preisniveau niedrig
Unterkunft = ca.3-8 EUR
Internet 1 Std. = 2 EUR
1l bier = 1,5 EUR
Eintrittsgebühr Torres del Paine = 28 EUR (Stand 2013)
Reiselandwertung

Reiselinks

Kurzinfo Argentinien

(meine Tour)
Reisezeit Mitte November – Ende Dezember
Temperaturskala Nachts 20 bis -5 Grad,
Tag 5-28 Grad
Reisedauer 2 Monate, genug für meine Tour
Verlauf Santiago > Richtung Süden entlang der Anden > nach Feuerland, Ushuaia
Empfehlung Perito Moreno, Ushuaia
Preisniveau hoch
Hostel = ca.15 – 25 Dollar (New York mind. doppelt soviel!)
Cheesburger = 49 Cent
1 Gallone Sprit = 1,30 – 1,80 Dollar
Reiselandwertung

Chile & Argentinien (2) – Von Chiloe zum Perito Moreno

Perito Moreno

Chile & Argentinien (2) – Von Chiloe zum Perito Moreno

Nach fast 4 Monaten auf Reisen mussten ich mich nach einem neuen Paar Wanderschuhen umschauen. Das war im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr tragbar, was ich da an den Füßen hatte. Auch Ausdruck dafür, wie viel ich doch auch zu Fuß unterwegs war.

ChiloeNochmals steuerte ich Osorno an. Hier hatte ich das schwere Gepäck, das für die Wanderung im Puyehue-Park nicht von Nöten gewesen ist, in einer Pension (spanisch „hospedaje“) deponiert. Mit weniger Gepäck auf dem Rücken wandert es sich einfach besser. Von Osorno aus fuhr ich nach Puerto Montt, dem Tor zum Süden von Patagonien. Viele Touristen werden hier eine 4-tägige Schiffsfahrt durch Fjordlanschaften antreten. Ich habe mich allerdings für den Landweg, durch Chile und Argentinien entschieden.

Castro„Landweg“ heißt in diesem Fall zunächst auf der Chiloé-Halbinsel Richtung Puerto Quellón reisen (alles per Anhalter), um hier auf eine Autofähre umzusteigen, die Chaitèn auf dem Festland ansteuert (Kosten pro Person 25 Euro). Chaitèn ist eine 3.000-Seelengemeinde. 2008 – einige Jahre nach meinem Aufenthalt – sollte hier der gleichnamige Vulkan ausbrechen und eine schreckliche Zerstörung verursachen. Problematisch ist von hier auch die Weiterreise in den wilden Süden Chiles, das gilt besonders für die Nebensaison. So gibt es auf der sogenannten „Camino Austral“, die einzige (unasphaltierte) Straße, die den Norden Chiles mit dem Süden Patagoniens verbindet, nur einen Bus pro Woche und wenn man den nicht erwischt, steht man dumm da. Hier sollte man sich im Vorfeld informieren. Und selbst wenn man einen Platz in einem Bus erwischt – die Fahrt über Stock und Stein ist eines Herausforderung für die Wirbelsäule.

Auf der Camino Austral

Bus, Camino AustralIch bin das Wagnis, den Süden auf dem Landweg zu bereisen, dennoch eingegangen und wurde dafür mit einem tollen Aufenthalt in Coihaique belohnt. Die Stadt ist die vielleicht am schönsten gelegene in Chile.

Das Stadtbild wird von einer gewaltigen Bergkulisse geprägt, die ich bei einer wundervollen 2-tägigen Wanderung auf einen der umliegenden Berge (1.361m) schätzen gelernt habe.

Von hier aus bin ich das zweite mal nach Argentinien gefahren, mit dem Ziel El Calafate. Theoretisch liegen nur 600 km zwischen den Städten. Fakt ist allerdings, dass ein Umweg bis an die argentinische Atlantikküste nötig wurde und somit eine Fahrzeit von 30 Stunden durch eintönige Pampa enstanden ist. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir das noch einmal antun würde. Es gab aber einen guten Grund, warum ich unbedingt nach El Calafate wollte. Ich wollte den Perito Moreno Gletscher sehen.

Ein Bild von einem Gletscher – der Perito Moreno

Perito MorenoEiner der wenigen Gletscher auf dieser Erde, die immer noch wachsen. Zweifellos einer der Höhepunkte meiner Weltreise! Ich habe mich einer geführten Tour angeschlossen. Kostenpunkt ca. 35 EUR. Schon der Weg dorthin war gespickt mit Höhenpunkten. Wann sieht man schon einmal Kondore über sich kreisen und Flamingos im See nach Nahrung fischen. Nicht direkt fischen, sie filtern das Wasser nach Algen und Kleinkrebsen, die soviel Karotin enthalten, dass sich dieser Farbstoff in den Federn der Flamingos absetzt.

Perito MorenoAb und zu sieht man „Nandus“ durch die Gegend huschen, eine dem Vogelstrauß verwandte Gattung. Flora, Fauna und dann dieses Urgetüm von eine Gletscher. Wenn man vor der 60 Meter hohen, 4 Kilometer breiten, blau schimmernden Gletscherfront steht, ist man schier sprachlos. Als ob der Anblick alleine nicht schon reichte, wird dieser noch von bombenartigen Einschlägen der abbrechenden Eisstücke (manchmal haushoch!) akkustisch untermauert. Was soll ich sagen… Ich werde den Tag so schnell nicht vergessen. Der Ausflug hierhin ist für jeden Patagonienreisenden Pflicht, freilich eine der angenehmsten, die man sich vorstellen kann.

Chile & Argentinien – Von Santiago bis Feuerland

Puyehue

Chile & Argentinien – Von Santiago bis Feuerland

Kein anderes Wort hatte vor meiner Reise soviel Faszination ausgelöst: „Patagonien“. Nach 2 Monaten in Chile und Argentinien und der Reise zur südlichsten Stadt der Welt ist nichts von dieser Faszination gewichen.

Ankunft in Santiago de Chile

Santiago de ChileZunächst einmal war es gar nicht so leicht, die USA in Richtung chilenischer Hauptstadt zu verlassen. Tatsächlich hatte ich mich im Abflugdatum geirrt, sodass ich den ursprünglichen Flieger verpasst hatte. So kann es gehen, wenn man die Flugnummer mit der Uhrzeit verwechselt! Dass das ausgerechnet mir passiert. 24 Stunden später und um eine Extragebühr an American Airlines erleichtert bin ich dann doch noch in Santiago de Chile angekommen. Alles was mir von dieser Stadt in Erinnerung geblieben ist, ist Tanzen, Merenge, Cerveza, Amigos und Chicas. Eine fabelhafte Stadt zum feiern. Eine gute Adresse um nette Leute kennenzulernen ist die offizielle Jugendherberge im Stadtviertel (Barrio) Brasil, Cienfuegos 151.

Nichteinmal die fast 7.000 Meter hohen Anden um Santiago herum konnten mich tagsüber beeindrucken. Ich bitte um Nachsicht, wenn ich an dieser Stelle keine Sehenswürdigkeiten der Stadt benennen kann. Für mich waren es die Menschen, die Einheimischen und die Backpacker aus aller Herrenländer.

LandstraßeJede Party geht irgendwann mal zu Ende. Nach einer Woche hieß es Adios Santiago! Nach zögerlichem Versuch, Chiles Norden zu entdecken – ich verbrachte zwei Tage in der Hafenstadt Val Paraiso  –, habe ich meine Pläne, in den Norden Chiles zu reisen, kurzentschlossen revidiert, um doch lieber gleich Richtung Süden zu fahren. Zurück von Santiago aus ging es 9 Stunden im Zug nach Concepcion. Die Fahrt kostete gerade einmal umgerechnet 8 Euro. Während meiner Reise, machte der Ort einen verschlafenen, um nicht zu sagen langweiligen Eindruck. Im Februar 2010 sollte Concepcion von einem schweren Erdbeben heimgesucht werden. Es war das schwerste Erdbeben in Chile seit fast 50 Jahren. Große Teile der Stadt wurden zerstört, über 200 Menschen kamen ums Leben.

Per Anhalter durch Chile

PferdekoppelVon Concepcion aus bin ich dann das erste mal in Chile per Anhalter gereist, was rückblickend hier in Chile wunderbar geklappt hat, nur die Konversation reduzierte sich bei mir auf den Wortschatz eines 2-Jährigen und auch das ist noch übertrieben. Aber es macht Spaß. Die Leute sind sehr nett und offen. So bin ich dann ein paar Tage über kleine Dörfer gezogen und habe dabei wunderschöne hügelige Landschaften durchquert, die mal an die Toscana erinnern, mal an das Bergische Land. Der Unterschied allerdings liegt in seiner Ursprünglichkeit. Man findet hier viel weniger Häuser oder Anzeichen von Besiedelung als in Deutschland oder Italien.

Mit das ungewöhnlichste Erlebnis, das ich in dieser Gegend hatte, war die Nacht auf einem Hügel. Spontan entschied ich mich, meine Mitfahrgelegenheit mitten in der Pampa zu unterbrechen. Mein Fahrer war völlig verdutzt und vergewisserte sich, ob ich mir sicher sei, hier aussteigen zu wollen. Die Abendstimmung und die Landschaft waren einfach zu schön. Ja, ich wäre mir sicher. Mitten in der Nacht stellte ich mit einigem Erschrecken fest, dass ich nicht alleine war. Ich hörte seltsame Schnüffelgeräusche auf der anderen Seite der dünnen Zeltwand. In der Dunkelheit dauerte es eine Weile, bis ich erkannte, mit welchen Tieren ich mein Nachtlager teilte. Mit den ersten Sonnenstrahlen des Morgens wurde ich dann zum zweiten Mal von der Pferdeherde in Augenschein genommen. Diese Nacht auf der Pferdekoppel werde ich so schnell nicht vergessen. Weiter ging es unter anderem über den Ort Temuco.

Streckenverlauf – Chile & Argentinien

Frühling in Chile

PuconIch hätte mir keine bessere Jahreszeit aussuchen können, denn der Frühling (primavera) ist einfach traumhaft hier. Ganze Felder blühen in Gelb, Lila oder Weiß vor lauter Gänseblümchen. An den Strassen oder an den Seeufern blüht der Ginster(retama) in nicht zu überbietendem Gelb. Und der „Kleine Gartenfreund“ in mir erfreut sich außerdem an den bunten Lupinen(lupinos) und an Fingerhut und Rhododendron.

Über Pucon nach Patagonien

Für Pucon, wahrlich ein Mekka für Abenteurer aus aller Welt sollte man reichlich Zeit mitbringen. Mindestens 3–4 Tage sollten eingeplant werden. Am Fuße des Vulkan Villarica ist diese Stadt mir echt ans Herz gewachsen. Geplant waren bei mir 2 oder 3 Nächte dort. Es wurden gut 2 Wochen, in denen ich so viele Leute von überall kennengelernt habe, dass ich von dieser Stadt und seinen Menschen nicht mehr los kam. Ich bekam hier einen Eindruck, wie Leben in Chile aussehen kann.

Von Pucon aus habe ich einen ersten Abstecher nach Argentinien gemacht. Die 5-stündige Fahrt durch die wilde patagonische Landschaft war wirklich beeindruckend. Noch beeindruckender war eine Wanderung hinauf auf einen Berg namens „Cerro Lopez“ (360Grad QTVR-Bild). 2200 Meter hoch oben in den Anden und einen Ausblick, der schöner nicht sein kann. Bariloche eignet sich hervorragend als Basis für Touren dieser Art und auch hier rate ich 3-4 Tage einzuplanen.

Der besondere Wandertipp

Vulkan LaninFährt man von Pucon Richtung Argentinien, kommt man an dem beeindruckenden Gipfel des Vulkan Lanin vorbei. Direkt vor dem Berg stehend wurde mir klar: den hätte ich mal schön besteigen sollen! Der Bus macht hier an der Grenze halt und der Wanderweg beginnt direkt an der Grenzstation. Also an alle Wanderburschen und -mädels gerichtet: schon in Pucon die Lebensmittel einkaufen, die man für 2-3 Tage braucht und nichts wie rauf auf den vielleicht schönsten Vulkan in Chile.

Nationalpark Puyehue

Zelten im Puyehue NPNach einem Tag Aufenthalt im argentinischen San Martin de Los Andes (schön gelegen an einem fjord-ähnlichem See) steuerte mein Überlandbus Osorno an. Aus welchem Grund auch immer scheint Osorno die besten Supermärkte in Chile zu haben. 3 riesige Hallen amerikanischen Ausmaßes machen sich gegenseitig Konkurrenz und sind optimal, um für längere Wanderungen einzukaufen. Von hier aus ging es 4 Tage in den „Parc National Puyehue“. Herzstück des Parks ist der 2216 Meter hohe Vulkan Puyehue, den ich erklommen habe.

PuyehueDie Gegend um den Vulkan ist einzigartig. Nicht nur weil die Landschaft alle Merkmale thermischer Aktivität vorweisen kann (Geysire, heiße Quellen, Schwefelgeruch, u.a.), sondern weil das Plateau im Hinterland die Form von Dünen annimmt, so zumindest mein Eindruck. Das Wechselspiel von Schneefeldern und durch die Vulkanasche dunkelgrau gefärbten dünen-ähnlichen Hügeln muss jedem Fotografen und natur-liebenden Menschen begeistern. Trotz nur mäßiger Wetterverhältnisse – die 2 Tage Regen kommen in diesem Bericht zu knapp – habe ich die Zeit im Park sehr genossen. Vielleicht auch deshalb, weil diese karge Gegend mich an Island erinnert hat, wovon ich noch heute schwärme.

USA (3) – Der Südwesten

Boulder Mountain, Dixie National Forest

USA (3) – Der Südwesten

Unvergleichlich schön: Die Natur im Südwesten der USA lässt sich ohne Superlative zu verwenden schwer beschreiben. Schon die große Anzahl an Nationalparks zeugt vom Reichtum der Natur.

Städte und Nationalparks

Arches National ParkNachdem ich meinen Magen mit ein paar Cheeseburgern aufgefüllt hatte und meinem Wagen ein paar Liter Öl gönnte, gings weiter in den Süden, um weitere Nationalparks zu erkunden. Darunter der Arches National Park, der durch Wasser und Wind entstandene Felsbögen vorzuweisen hat und in einer Sinfonie von Backsteinrot erstrahlt. Für mich eine der eindrucksvollsten Landstriche, die es überhaupt gibt.

Bryce National ParkEbenfalls bizarr ist der Bryce Canyon National Park. Vor allem ein Besuch am Abend oder in den späten Nachmittagsstunden ist zu empfehlen. Dann nämlich leuchtet der Feld in intensivem Backsteinrot. Ich hatte mein Zelt hier an einer Klippe aufgestellt und konnte so Sonnenaufgang und Sonnenuntergang verfolgen. Wunderschön!

coral-duneSehenswert ist der kleine Park mit der folgenden langen Bezeichnung „Coral Pink Sand Dunes State Park“. Das besondere ist die wüsten-ähnliche Landschaft. Wenn man ganz oben auf einer Düne steht, fragt man sich, wo nur all der ganze Sand eigentlich herkommt. Auf Schautafeln in der Anlage erhält man die Antwort: vom Grand Canyon! Ein stetiger Südwest-Wind transportiert das staubige Material aus der näheren und weiter entfernten Umgebung hierher, wo es sich in den Dünen ablagert. Die Farbe des Sandes ist einzigartig. Ich habe mir als Mitbringsel einen kleinen Haufen mitgenommen. Leider hat sich der Park in den vergangenen Jahren – das musste ich bei einer späteren Reise erfahren – zu einer Art Freizeitpark für Quad-Fahrer entwickelt. Tag ein Tag aus dröhnen hier nun die Motoren. Daher muss ich meine Empfehlung für diesen Park ausdrücklich revidieren, was ich sehr bedauere.

Indian Summer im SüdwestenDen Grand Canyon habe ich von seinem Nordrand aus besucht, wobei ich sagen muss, dass es Landschaften gibt, die mich wesentlich mehr beeindruckt haben als diese wüste, kantige Schlucht. Einzig der Sonnenuntergang vermag diesem Ort seinen Zauber zu entlocken. Für das relativ nüchterne Votum verantwortlich sich sicherlich auch die Heerscharen an Autotouristen, die sich hier tummeln: Aussteigen, Foto schießen und schnell wieder zurück ins Auto! Bloß nicht zu viel bewegen. Eine Art des Reisens, die ich schwer nachvollziehen kann.

Von Las Vegas nach San Francisco

Las Vegas Las Vegas. Jeder hat schon mal Bilder von hier gesehen und kennt ein paar Geschichten. Aber wenn man einmal hier war, werden alle Erwartungen übertroffen. Tagsüber ist diese Stadt mitten in der Wüste von Nevada staubig und heiß aber nachts… Nachts blüht sie auf und funkelt und glänzt in allen Neonfarben und beeindruckt seine Gäste. Ich kam mir vor, wie in Disneyland nur das alles viel billiger ist. Beispiel: Buffet, essen soviel man will (bis mir schlecht wurde) für 10 $. Ein Bier im Casino 1,5 $. Und so weiter…

Dann bin ich mit dem Wagen, nachdem es mir missglückt war ihn in Las Vegas loszuwerden, die kalifornische Pazifikküste Richtung San Francisco hochgefahren, was ich auf keinen Fall bereue.

Yosemite BaumrieseIn San Francisco habe ich 4 Nächte verbracht. Die Stadt hat zweifelsfrei ihre Qualitäten, allerdings traf ich in keiner anderen US-Metropole auf derart viele „homeless people“ wie hier. Sie und der Müll, den man an sehr vielen Stellen sieht, kratzen doch stark an dem Image der „europäischsten Stadt Amerikas“, einen Titel, den sie sich vielleicht mit Boston teilt. Was für ein Kontrast zur klinischen Sauberkeit von Salt Lake City. Nun ja. Mit dem Mustang die Straßen rauf und runter zu fahren, und das ist in  San Francisco ob des hügeligen Terrains wörtlich zu nehmen, ist schon ein verdammt cooles Gefühl.

Yosemite Nationalpark

yosemiteZum Abschluss meiner USA-Reise ging es nochmal landeinwärts zum Yosemite Nationalpark (hier eine Panoramaaufnahme vom Yosemite Park. 3 Tage sind allerdings viel zu kurz, um den ganzen Park kennenzulernen. Man kann hervorragende Wanderungen im Tal oder hinauf in die Berge machen. Auch wenn Scharen von „Natursuchenden“ den Park mit Autos bevölkern, findet man immer einen Pfad, der nicht ganz so ausgetrampelt ist.

MustangIn Los Angeles habe ich schließlich doch noch den Ford Mustang verkauft bekommen, und zwar am Abflugtag! Gerade einmal 250 Dollar habe ich hierfür noch bekommen. Was solls. Für 1.000 Dollar kann man in den USA für die Dauer von 7 Wochen kein Auto mieten, insofern hat sich die Investition gerechnet. Ganz wichtig für alle, die vorhaben, in den USA ein Auto zu kaufen: Wer einen Wagen in den USA kaufen möchte, der benötigt unbedingt den Fahrzeugbrief (engl. „title“). Ohne diesen wird man das Fahrzeug nicht mehr los. Siehe hierzu auch Autokauf in den USA.

Achtung Moose!

Eine kleine Story noch zum Schmunzeln. Bei einer Wanderung im Grand Teton Nationalpark habe ich jede Menge „Moose“ (Elche) zu Gesicht bekommen, aus direkter Nähe. Eine Gruppe von ihnen lag an einer Stelle mitten auf dem Weg. Von vielen Touren in der Wildnis wähnte ich mich im Umgang mit dem Wildtier weitestgehend versiert. Ich ging also langsam und unbeirrt weiter, worauf sich zwei Kühe und der Bulle erhoben und langsam den Rückwärtsmarsch antraten. Als ich seitlich an ihnen vorbei ging, bemerkte ich, dass der Bulle mich ziemlich grimmig anstarrte und seinen Kopf senkte. Dann ging alles sehr schnell. Der Bulle startete einen Angriff. Ich hingegen nahm die Beine in die Hand, was mit einem 15 Kilo-Rucksack leichter gesagt als getan ist. Auf dem Fluchtweg trat ich auf einen Ast. Offenbar verwirrt ob dieses Geräusches ließ der Bulle von mir ab. Ich kam mit einem Schreck davon. Seitdem halte ich mehr Abstand, wenn ich einen Elch entdecke.

Kurzinfo USA

(meine Tour)
Reisezeit September – Mitte Oktober
Temperaturskala Nachts 15 bis -10 Grad,
Tag 10 bis 30 Grad
Reisedauer 2 Monate, genug Zeit um gemütlich von Küste zu Küste zu fahren
Verlauf 7800 Meilen per Auto von Ost nach West
Empfehlung Arches National Park, Yellowstone National Park, Las Vegas
Preisniveau hoch
Hostel = ca.15 – 25 Dollar (New York mind. doppelt soviel!)
Cheesburger = 49 Cent
1 Gallone Sprit = 1,30 – 1,80 Dollar
Reiselandwertung

Zwei weitere Reiseberichte von mir:
Wandern im Südwesten der USA
Kalifornien im Oktober

USA (2) – Mittlerer Westen

Yellowstone Nationalpark – Höhepunkt im Mittleren Westen

USA (2) – Mittlerer Westen

Der Mustang rollt immer noch. Von der Ostküste geht es in den mittleren Westen mit dem Yellow Stone Nationalpark als Ziel.

Sleeping Bear DuneEs ging weiter nach Westen, wo ich als Fernziel Chicago ins Auge genommen habe. Unterwegs habe ich halt bei dem sogenannten „Sleeping Bear Provincial Park“ gemacht. Hier findet man ein bis zu 300 Meter hohe Düne vor, die zur Seeseite ( Lake Michigan ) stark abfällt. Wenn man oben an der Klippe sitzt und die Sonne am Horizont verschwinden sieht, fällt es einem schwer zu glauben, dass dies „nur“ ein See und kein Meer ist. Er wirkt einfach unendlich groß.

chicagoChicago empfand ich als schön, aber auch als sehr stressig. Nach hartem Kampf hatte ich es geschafft, den Wagen durch den Samstagsnachmittagsverkehr genau bis zur Jugendherberge mitten in Downtown zu fahren. Dort angelangt musste ich allerdings feststellen, dass das College-Gebäude nur während der Sommermonate als Jugendherberge fungiert und exakt an diesem Wochenende wieder das Semester angefangen hatte. Was also tun.

Ich habe den Wagen irgendwo in Downtown ziemlich wild geparkt und mich dann auf die Suche nach einem Visitor Center gemacht. Einen normalen Parkplatz zu finden ist schier unmöglich. An einem Parkhaus habe ich gesehen, dass man dort einen Parkplatz für umgerechnet 25.000 EUR kaufen kann. Für das Geld kriegt man in Kanada ein eigenes Haus mit 800 qm Grundstück. Jedenfalls habe ich dann noch eine andere Bleibe für zwei Nächte gefunden. Die Stadt ist, was die Hochhaus-Architektur betrifft, mit Sicherheit eine der interessantesten Städte der Welt. Man findet hier hervorragende Bauten aus den verschiedenen Jahrzehnten. Und Downtown ist wirklich schön. Gelegen am Lake Michigan, der groß wie ein Meer erscheint, ist Chicago eine Metropole mit maritimen Flair.

Unterwegs in North und South Dakota

MississippiVon Chicago ging es dann einige Hundert Meilen durch die „Pampa“. Weizenfelder und Mais und Weizenfelder und Mais… und so weiter. Monotoner könnte die Fahrt im Auto nicht sein als auf den Highways in Iowa. Einzig die Fahrt entlang des Mississippis erfreute das Auge. Nach einem ziemlich langen Ritt bin ich dann in der Gegend um Mount Rushmore angekommen. Dieses Nationale Monument dürften viele aus dem Hitchcock Streifen „Der unsichtbare Dritte“ (org. „North by Northwest“) kennen.

Mount-RushmoreHier sind die vier amerikanischen Präsidenten Roosevelt, Lincoln, Jefferson und Washington in Stein gemeißelt. Man bekommt an diesem Ort unweigerlich den Eindruck, dass die Amerikaner unglaublich stolz auf sich selbst sind. So stolz, wie vielleicht kein zweites Volk. Deswegen auch dieses riesige Monument.

Custer State Park Die Gegend hier um Mount Rushmore heißt „Black Hills“ und ist sehr hügelig und abwechslungsreich. Besonders der nahegelegene aber recht unbekannte „Custer State Park“ hat es mir angetan. Hier wurden all meine Western- und Indianer-Kindheitsphantasien Wirklichkeit. Der Park ist unglaublich schön und man kann viele Wanderungen unternehmen, bei denen man sogar Büffel zu Gesicht bekommt. Circa 600 Bisons bevölkern den Park. Außerdem gibt es jede Menge Rotwild und Präriehunde (oder Erdmännchen).

Devils TowerDie Luft ist erfüllt von dem Duft nach Beifuß und die Farben der gelben Graslandschaft kommt beim Sonnenuntergang erst recht zur Geltung. Weiterer Höhepunkt in dieser Gegend ist der „Devils Tower“, Amerikas erstes Nationales Monument gegründet 1906 von Roosvelt. Insgesamt war ich 5-6 Tage in dieser wenig bewohnten und wunderschönen Landschaft unterwegs.

Bizarr und unvergleichlich – Yellowstone

YellowstoneDie nächste Station ist eine meiner Hauptziele in den USA gewesen, der Yellowstone National Park. Besonders interessant fand ich die vulkanischen Gebiete mit denen in Island zu vergleichen. Mein Eindruck dabei ist, dass man Vulkane, blubbernde Löcher und heiße Quellen eher in Island erwarten würde aber nicht mitten im Wald oder direkt an einem See. Aber genauso sieht es hier aus.

YellowstoneBei Außentemperaturen von bis zu 10 Grad minus, die ich erleben durfte, scheint der ganze Wald zu dampfen. Die Farben der Algen, die rund um die heißen Quellen angesiedelt sind, leuchten in allen erdenklichen Tönen. Sie sind auch dafür verantwortlich, dass die Farben in den sogenannten „Pools“, mit Namen wie „Green Dragon“ oder „Abyss Spring“, von Indigo Blau bis Türkis variieren. Jeder, der die USA besucht, sollte diesen Park gesehen haben!

YellowstoneNach einigen klirrendkalten Nächten im Zelt hatte ich wieder einmal richtig Lust in einem Bett zu schlafen, was ich dann auch in Salt Lake City tat. Die Stadt der Mormonen hat mit Abstand die bestausgestattete Universitäts-Bibliothek, die ich je gesehen habe. Computer zur freien Verfügung für Besucher an jeder Ecke. Auch sonst überzeugt die Stadt durch ihre fast schon klinische Sauberkeit – fast erschreckend sauber für amerikanische Verhältnisse. Aber nicht die Stadt vielmehr die Landschaft hier um Salt Lake City ist wirklich sehenswert.

USA – Coast to Coast

USA Reisebericht – Im Mustang Coast to Coast

USA – Coast to Coast

7.800 Meilen mit einem Ford Mustang „Coast to Coast“. Zwei Monate Zeit, das Land und seine Menschen zwischen den Atlantik- und Pazifikküsten kennenzulernen.

manhattanAn diesem Sonntag scheint die Sonne und es ist mit 21 Grad angenehm warm. Mein orange leuchtender Ford Mustang Baujahr 1981 steht draußen vor der Tür und wartet darauf, dass ich mit ihm weiter Richtung Westen fahre. Nachdem ich auf Island ausschließlich per Anhalter unterwegs gewesen bin und damit steht auf die Mitnahme Anderer angewiesen bin, ist mit dem eigenen Fahrzug ein völlig neues Reisen möglich. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich mich über die Mobilität freuen oder den Verlust der Flexibilität beklagen soll. Aber der Reihe nach. Ersteinmal werde ich berichten, wie ich den Sprung von Island nach New York erlebt habe, denn überlebt habe ich ihn ja offensichtlich.

„Das Leben ist schön“ – in Manhattan

Um direkt mit dem Höhepunkt meines New-York-Aufenthalts zu beginnen. Wenn man mitten in Manhattan in einem kleinem Park mit 5.000 anderen Menschen Roberto Begninis Film „Das Leben ist schön“ in der Weltpremiere in englischer Fassung gratis als Open-Air verfolgen kann, die Sonne geht gerade unter und von den Wolkenkratzern drumherum sieht man nur noch die Bürolichter, dann kann man gar nicht anders, als sich in diese Stadt zu verlieben. Wirklich wahr. In diesem Moment habe ich mich in diese Stadt mit all seinen hektischen Menschen und dem ständigen Lärm verliebt.

Central ParkDieses scheinbare Chaos funktioniert aber irgendwie und jeder hat einen Weg gefunden zurechtzukommen. Zum Beispiel die vielen Tausend Taxifahrer (es gibt ca.14.000 Caps ) oder die unzähligen kleinen Straßenverkäufer, die Hot Dogs oder eisgekühlte Cola verkaufen. Der Kontrast zu Island hätte nicht größer ausfallen können! Alles bewegt sich schneller. Ich hatte große Mühe dem Tempo in der Metro und auf den Straßen mitzuhalten. Keiner hat Zeit. Zeit ist Geld. In Island hatte Zeit eine völlig andere Dimension. Einem Kulturschock glich zudem der Umstand, dass Islands Landschaft von seiner scheinbar nicht enden wollenden Weite geprägt ist, Manhattan jedoch von der vertikalen Ausprägung seiner Wolkenkratzer bestimmt ist. Einen größeren Kontrast kann ich mir kaum vorstellen.

Streckenverlauf – Coast to Coast

Unterwegs in Manhattan

Ich habe mir ersteinmal eine „Metro-Card“ für 17 $ kauft. Mit der Karte, die 1999 eingeführt wurde, kann man alle Busse und U-Bahnen für eine Woche benutzen. Über Jahrzente lang mussten New Yorker und Besucher mit Münzen zahlen. Gute Erfindung. Ich habe die Karte insgesamt 5 Tage lang genutzt. Natürlich musste ich auch erst einmal die Orte aufsuchen, die man als Touri hier sehen sollte.

manhattanIch war auf dem Empire State Building – habe dort allerdings nicht die Liebe meines Lebens vorgefunden, wie Tom Hanks, der Meg Ryan dort im Film „Schlaflos in Seattle“ geküßt hat – sondern nur eine wunderschöne Aussicht auf ganz Manhatten. Ich war in der New Yorker Stock Exchange – der Börse – im Central Park, im Metropolitain Museum und habe mir eine Hafenrundfahrt gegönnt. Sehr tourimäßig, ich weiß. Musste aber sein! Nach 5 Tagen Sightseeing und nach all dem Stress war ich schließlich reif für etwas Entspannung.

Mit dem Zug Richtung Norden

Nach 3 Stunden Warten am Bahnhof (aufgrund starken Regens waren einige Strecken gesperrt und nichts ging mehr) konnte ich dann doch einen Zug in Richtung Amherst (Massachussets) nehmen, wo mich Amanda, die ich von ihrem Austauschbesuch in Deutschland her kenne, in Empfang genommen hat. Bei ihr habe ich die nächsten Tage verbracht. Sie hat mir die Küsten von Rhode Island, Massachussets, Conneticut und auch die Großstadt Boston gezeigt. Boston ist klasse. Nicht so stressig wie New York und mit nettem europäischen Flair. Geplant war eigentlich, dass ich von Boston aus nach 5 Tagen, die ich in Amherst verbracht hatte, weiterreise. Allerdings waren alle Hostels für Tage ausgebucht und ich hatte natürlich nicht reserviert. So kam alles ganz anders…

Autokauf in den USA – Ein (kleines) Abenteuer

mustangIch bin wieder zurück nach Amherst gefahren. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich dazu entschlossen, mir einen Wagen zu kaufen. Der Pessimist und Realist in mir sagte: Du wirst nur Ärger mit dem Wagen haben und außerdem ist er viel zu teuer. Der Optimist und Entdecker aber sagte: Das wird schon klappen und außerdem, Carpe diem. Also habe ich alle Händler in der näheren Umgebung abgegrast und mich dann endlich für einen Mustang entschieden. Die Formalitäten waren sehr schnell erledigt, also Auto kaufen (1.200 $), Versicherung abschliessen (ca.200 $ ) und zuletzt den Wagen anmelden und die Nummernschilder besorgen (115 $). Alles zusammen hat keine 2 Stunden gedauert.

Weitere Infos in Sachen Autokauf siehe Kommentar.

Es kam aber natürlich wie es kommen musste. Direkt am zweiten Tag ist die Kiste liegen geblieben. Der Wagen wurde zurück zum Händler nach Amherst geschleppt, der den Wagen wiederrepariert hat. Na ja. Bis zum Ende der Reise sollte er dann schließlich, nach einem zweiten Ausfall mitten in Downtown San Francisco, 7.800 Meilen zurücklegen. Das Abenteuer Autokauf war es wert.

Weiter nordwärts – Paddeln in Kanada

ottawa-jugendherbergeDurch die Staaten Vermont und New York gings weiter in Richtung Norden. Ich hatte mich dazu entschlossen einen Abstecher nach Kanada zu machen und in Ottawa vorbeizuschauen. Die Stadt ist wirklich klasse und auf keinen Fall sollte man es versäumen in der dortigen Jugendherberge zu übernachten. Diese ist nämlich ein ehemaliges Gefängnis und war von 1862 – 1972 in Betrieb und damit auch, markabererweise Ort der letzten öffentlichen Hinrichtung in Kanada. Jeder bekommt eine Zelle zugewiesen und bei dem Gedanken an die „bösen Jungs“ wird einem doch schonmal mulmig.

Algonquin Provincial ParkMein nächstes Ziel war der Algonquin Provincial Park in Kanada. Hier kann man sich Kanus und Kajaks mieten, um dem Ruf des „Timberwolves“ zu folgen. Ein Kajak für 3 Tage inkl. „camping fee“ kostet ca. 130 Can$. Der Park ist zu den Sommermonaten teilweise so voll, dass es Stau beim Ein- und Aussteigen gibt. Bei meinem Besuch war es aber angenehm ruhig. Es dauert ca. 1-2 Stunden und man kriegt die ein oder andere Blase an den Fingern, bis man den Rhythmus mit dem Padel raus hat. Danach wird das Reisen mit dem Boot zum reinen Vergnügen. Ich habs tierisch genossen.

Island – Insel des Feuers (2)

Geysir

Island - Insel des Feuers (2)

Den Namensgeber aller Geysire eben DEN „Geysir“ kann man in einer Tagestour von Reykjavik aus erreichen. Bis zu 70 Meter hoch (2.höchster in der Welt) kann sein Wasser hinausschießen. Dies macht er alle 10 bis 15 Minuten.

JoekulsarlonDie Gletscher an der Ostküste Islands können bis zu 800 Meter dick werden und reichen an einigen Stellen auf Meereshöhe fast bis an den atlantischen Ozean. Diese Region hat mir am besten gefallen. Besonders der kleine National Park Skaftafell ist einzigartig !!! Der Park ist relativ klein und so reich an Attraktionen, dass ich oft vom „Disneyland der Natur“ gesprochen habe, wenn mich Leute danach gefragt haben.

Die Isländer sind eher zurückhaltend, vielleicht auch reserviert, was man nicht mit unfreundlich verwechseln sollte. Aber sie reden nicht sehr viel. Diesen Eindruck habe ich jedenfalls während der vielen Fahrten als Anhalter gewonnen. Junge Isländer sind von anderen Europäern nicht zu unterscheiden, aber den Älteren merkt man schon ihre nordische Art an. Trotzdem habe ich unglaublich viel über die Menschen hier erfahren und ein wenig Einblick in ihr Leben bekommen. Fast alle sprechen Englisch und geben freundlich Auskunft, wenn man Fragen hat. Gut die Hälfte aller Autofahrer, die mich mitgenommen haben, waren Touristen wie ich. Mit einigen habe ich abends etwas unternommen oder wir sind gemeinsam wandern gewesen.

Unterwegs per Anhalter

SkogafossReisen als Anhalter ist überhaupt kein Problem. Ich bin sogar in Gegenden gekommen, in die nicht einmal ein Bus fährt und in der ein Jeep erforderlich ist. In den abgelegenen Westfjorden kann man schonmal ein paar Stunden stehen, aber da muss man auf die Zähne beißen und Geduld haben. Irgendwer wird schon kommen! Nervig sind die vielen Fliegen, die einen vor allem in der Myvatn Region penetrieren. Keine Körperöffnung ist vor ihnen sicher und wenn man an der Straße steht und von einem Schwarm umringt wird, kann ein Kopfschutz/Mückennetz gute Dienste leisten. Oder man wedelt wild mit einem Shirt, was auf die Dauer allerdings sehr ermüdend ist.

SkaftafellAuch in Jugendherbergen findet sich immer jemand, mit dem man etwas unternehmen kann und sei es nur, dass man gemeinsam kocht oder eine Partie Schach spielt. Die „Herbergseltern“ sind ausgesprochen hilfreich und machen auch schon mal eine Besorgung für einen, wenn die Hütte etwas weiter weg liegt. Ich habe auch Häuser erlebt, in denen sich bis zum Abend niemand sehen läßt und nur ein Zettel an der Türe hängt, auf dem steht, man solle sich doch wie zuhause fühlen, was ich dann auch gleich gemacht hatte.

Ich kann wirklich nur das beste von dieser Insel berichten. Diese Reise gehört ganz bestimmt zu den schönsten, die ich bisher gemacht habe. Nun verstehe ich auch warum die Isländer so viele verschiedene Wörter für die Bezeichnung „wunderschön“ haben. So wie die Inui verschiedene Wörter für „Schnee“ haben, gibt es hier für die unterschiedlichsten schönen Dinge eine passende Umschreibung. Und Schönes – davon hat Island reichlich.

Kurzinfo Island

(meine Tour)
Reisezeit August
Temperaturskala Nachts 15-0 Grad, Tag 10-25 Grad
Reisedauer 3 Wochen, ausreichend Zeit auch mal die ein oder andere Tageswanderung zu machen.
Verlauf per Anhalter komplett um die Insel
Empfehlung im Juli soll die Sonne bis Mitternacht zu sehen sein und ganz im Norden sieht man die Polarlichter.
Preisniveau bis zur Wirtschaftskrise (2009) sehr hoch, aktuell moderat
Bett im Hostel = ca. 11-15 EUR
Brot im Supermarkt = 2 EUR
0,5l Bier im Pub = 3 EUR
Reiselandwertung

Ein weiterer Island-Reisebericht von mir: Island-Tour – 7 Tage im September

Einmal um die ganze Welt

Einmal um die ganze Welt

Ein Reisebericht von Achim Schaffrinna

Neun Monate Zeit. Nur mit Rucksack und dem Nötigsten. Eine Reise durch Island, quer durch die USA (Coast-to-Coast), Chile, Argentinien, Hawaii, Neuseeland, Tasmanien, Australien, Bali und Sizilien. Das Zelt war dabei und alles, was man braucht, um auch mal eine Woche in den Bergen zu wandern. Aufregende Städte wie New York, Sydney und Santiago de Chile sowie unvergleichliche Landschaften wie Patagonien und die Nationalparks im Südwesten der USA hinterließen bleibende Eindrücke.

Meist war ich per Anhalter und öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Aber auch ein Ford Mustang diente 7 Wochen lang als Transportmittel. Menschen, Landschaften und Erlebnisse, die einen nicht mehr loslassen, das war meine Weltreise. Im Bereich Planung gebe ich jede Menge Tipps, die beim Planen einer Weltreise hilfreich sind.