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Chile & Argentinien (2) – Von Chiloe zum Perito Moreno

Perito Moreno

Chile & Argentinien (2) – Von Chiloe zum Perito Moreno

Nach fast 4 Monaten auf Reisen mussten ich mich nach einem neuen Paar Wanderschuhen umschauen. Das war im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr tragbar, was ich da an den Füßen hatte. Auch Ausdruck dafür, wie viel ich doch auch zu Fuß unterwegs war.

ChiloeNochmals steuerte ich Osorno an. Hier hatte ich das schwere Gepäck, das für die Wanderung im Puyehue-Park nicht von Nöten gewesen ist, in einer Pension (spanisch „hospedaje“) deponiert. Mit weniger Gepäck auf dem Rücken wandert es sich einfach besser. Von Osorno aus fuhr ich nach Puerto Montt, dem Tor zum Süden von Patagonien. Viele Touristen werden hier eine 4-tägige Schiffsfahrt durch Fjordlanschaften antreten. Ich habe mich allerdings für den Landweg, durch Chile und Argentinien entschieden.

Castro„Landweg“ heißt in diesem Fall zunächst auf der Chiloé-Halbinsel Richtung Puerto Quellón reisen (alles per Anhalter), um hier auf eine Autofähre umzusteigen, die Chaitèn auf dem Festland ansteuert (Kosten pro Person 25 Euro). Chaitèn ist eine 3.000-Seelengemeinde. 2008 – einige Jahre nach meinem Aufenthalt – sollte hier der gleichnamige Vulkan ausbrechen und eine schreckliche Zerstörung verursachen. Problematisch ist von hier auch die Weiterreise in den wilden Süden Chiles, das gilt besonders für die Nebensaison. So gibt es auf der sogenannten „Camino Austral“, die einzige (unasphaltierte) Straße, die den Norden Chiles mit dem Süden Patagoniens verbindet, nur einen Bus pro Woche und wenn man den nicht erwischt, steht man dumm da. Hier sollte man sich im Vorfeld informieren. Und selbst wenn man einen Platz in einem Bus erwischt – die Fahrt über Stock und Stein ist eines Herausforderung für die Wirbelsäule.

Auf der Camino Austral

Bus, Camino AustralIch bin das Wagnis, den Süden auf dem Landweg zu bereisen, dennoch eingegangen und wurde dafür mit einem tollen Aufenthalt in Coihaique belohnt. Die Stadt ist die vielleicht am schönsten gelegene in Chile.

Das Stadtbild wird von einer gewaltigen Bergkulisse geprägt, die ich bei einer wundervollen 2-tägigen Wanderung auf einen der umliegenden Berge (1.361m) schätzen gelernt habe.

Von hier aus bin ich das zweite mal nach Argentinien gefahren, mit dem Ziel El Calafate. Theoretisch liegen nur 600 km zwischen den Städten. Fakt ist allerdings, dass ein Umweg bis an die argentinische Atlantikküste nötig wurde und somit eine Fahrzeit von 30 Stunden durch eintönige Pampa enstanden ist. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir das noch einmal antun würde. Es gab aber einen guten Grund, warum ich unbedingt nach El Calafate wollte. Ich wollte den Perito Moreno Gletscher sehen.

Ein Bild von einem Gletscher – der Perito Moreno

Perito MorenoEiner der wenigen Gletscher auf dieser Erde, die immer noch wachsen. Zweifellos einer der Höhepunkte meiner Weltreise! Ich habe mich einer geführten Tour angeschlossen. Kostenpunkt ca. 35 EUR. Schon der Weg dorthin war gespickt mit Höhenpunkten. Wann sieht man schon einmal Kondore über sich kreisen und Flamingos im See nach Nahrung fischen. Nicht direkt fischen, sie filtern das Wasser nach Algen und Kleinkrebsen, die soviel Karotin enthalten, dass sich dieser Farbstoff in den Federn der Flamingos absetzt.

Perito MorenoAb und zu sieht man „Nandus“ durch die Gegend huschen, eine dem Vogelstrauß verwandte Gattung. Flora, Fauna und dann dieses Urgetüm von eine Gletscher. Wenn man vor der 60 Meter hohen, 4 Kilometer breiten, blau schimmernden Gletscherfront steht, ist man schier sprachlos. Als ob der Anblick alleine nicht schon reichte, wird dieser noch von bombenartigen Einschlägen der abbrechenden Eisstücke (manchmal haushoch!) akkustisch untermauert. Was soll ich sagen… Ich werde den Tag so schnell nicht vergessen. Der Ausflug hierhin ist für jeden Patagonienreisenden Pflicht, freilich eine der angenehmsten, die man sich vorstellen kann.