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Vulkanismus in Island

Vulkanismus Island

Wer vom Vulkanismus fasziniert ist, wird Island lieben. Ich habe den Yellowstone National Park in den USA besucht, von dem es heißt, dass sich hier die wohl größte Eruption der Erdgeschichte vollzog, ich bin auf den Stromboli, den Etna und den Pico del Teide gestiegen, habe auf Bali am Gunung Batur einen Ausbruch aus nächster Nähe miterlebt und ich durfte im Volcanoes National Park auf Hawaii miterleben, wie sich Lava direkt ins Meer ergießt. Island ist aus geologische Sicht sicherlich eines der interessantesten Ziele, die man sich vorstellen kann.

Plattentektonik

Island ist gerade einmal 20 Millionen Jahre alt – ein Küken, erdgeschichtlich gesehen. Schlamm- und Erdschichten erwecken zum Teil den Eindruck, als bestünde diese Insel im Atlantik aus einer Art Ur-Teig, der noch nicht ganz durchgebacken ist. Tatsächlich ist Island ständiger Hitze und Bewegung ausgesetzt, für die die Plattentektonik verantwortlich ist. Die Nordamerikanische und die Eurasische Platte driften an dieser Stelle auseinander und ziehen Island Millimeter um Millimeter in die Breite. Besonders eindrücklich ist dies an der Verwerfungskante im Þhingvellir Nationalpark zu beobachten. Beim Driften der Platten entstehen nicht nur Erdbeben, sondern die Bewegung ermöglicht auch dem in Tiefen von 2–8 Kilometer lagernden Magma sich einen Weg an die Oberfläche zu bahnen. Für Isländer sind Vulkanausbrüche nichts besonderes. Seit mehr als 1.000 Jahren haben sie gelernt, mit den Kräften der Natur zu leben. Regelmäßig werden Straßen von Schlammlawinen weggespült, die das Ergebnis subglazialer Vulkanausbrüche sind, etwa wie beim Vatnajökull, der größten Eismasse Europas.

Ausbrüche wie zuletzt der des Eyjafjallajökulls im Jahr 2010 sorgen zwar zum Teil für erhebliche Störungen im europäischen Flugverkehr, fordern allerdings, anders als vergleichbare Vulkanausbrüche in Ländern wie Indonesien, kaum Menschenleben. Nicht, weil die Ausbrüche weniger heftig sind, sondern weil die Bevölkerungsdichte eine ganz andere ist. Gerade einmal 3,1 Einwohner leben auf einem Quadratkilometer Land. Der Natur steht reichlich Raum zur Verfügung, um sich auszubreiten und der Mensch passt sich ihr an. Was sind schon ein paar weggespülte Straßen und Brücken im Vergleich zu den Vorteilen, die der Vulkanismus mit sich bringt. Islands Stromerzeugung ist vollständig regenerativ, dank Wasserkraft und Geothermie.

Krafla

Krafla

Die Myvatn-Region wäre ohne Krafla unvollständig. Die Kontraste zwischen vogelreicher Seenlandschaft und wüstenähnlichem, durch Lavaausbrüche zerklüfftetem Terrain sind groß. Genau das macht diese Gegend so faszinierend. Aus geologischer Sicht ist dieser Landstrich äußerst jung. Die letzte Ausbruchsserie der Krafla fand von 1975 bis 1984 statt. Gerade einmal 3km unter der Oberfläche befindet sich nach wie vor eine Magmakammer, die dafür sorgt, dass die Erdoberfläche immer noch warm ist, ja an einigen Stellen sogar noch heiß. Der Zentralvulkan Krafla ist über 200.000 Jahre alt und besteht vor allem aus einer 10 km im Querschnitt großen Caldera, in der man ausgiebig wandern kann.

Auf dem Programm meiner Tour steht die Umrundung des Sees Viti, die selbst für ungeübte Wanderer bei entsprechender Vorsicht gelingen sollte – der Boden kann hier zum Teil sehr glitschig werden –, und der Abstecher zum Vulkan Leirhnjúkur, von dem man aus einen guten Blick auf die ehemalige Ausbruchsspalte hat. Gutes Schuhwerk und auch Wanderstöcke zahlen sich auf dieser Wanderung in jedem Fall aus.

Snaefellsjökull

Snaefellsnes

Wer mit dem Geländewagen unterwegs ist, sollte sich die Schotterpiste 570 auf der Snaefellsnes-Halbinsel nicht entgehen lassen, denn auf ihr lässt sich das Massiv des 1.446 Meter hohen, schneebedeckten Stratovulkans „Snæfellsjökull“ überqueren. So folgt man zumindest ein Stück weit Jules Verne, der in seinem Roman „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ diesen Berg zum Startpunkt für den Abstieg ins Erdinnere auserkoren hatte. Wahrlich ein magischer Ort.